index        Der Mensch-Körper und Seele

 

4.2 Propriozeption und Interozeption.
Mechanismen zur Wahrnehmung von Reizen des eigenen Körpers

 

Unterschiede zwischen Propriozeption und Interozeption

 

Propriozeption

Interozeption

Fokus

Bewegungsapparat
(Muskeln, Sehnen, Gelenke)

Innere Organe,
Stoffwechsel-
signale

Kerninfo

Wo ist mein Körper?
Wie bewegt er sich?

Wie geht es meinem Körper?
Hunger? Puls?

Haupt-
aufgabe

Haltung,
Kraftdosierung,
Koordination

Regulation von
Überlebens-
funktionen
und Emotionen

 

Propriozeption (Tiefensensibilität):

Die Propriozeption dient der Wahrnehmung der Körperlage, Be-wegung und muskulären Spannung im Raum. Sie wird oft als der „sechste Sinn“ bezeichnet. Die Signale kommen aus den Muskeln (Muskelspindeln), Sehnen (Golgi-Sehnenorgane) und Gelenken. Sie sorgt für Koordination, Gleichgewicht und Haltung, damit wir wis-sen, wo unsere Gliedmaßen sind, ohne hinzusehen (z. B. beim Gehen oder Tippen). (siehe auch: DocCheck Flexikon oder auf der Wikipedia-Seite zur Propriozeption.

Das Wort Propriozeption kommt aus dem Lateinischen. Es setzt sich zusammen aus proprius = eigen, und recipere = aufnehmen. Es bedeutet so viel wie „Eigenwahrnehmung“.  Sie wird auch als
„ 6. Sinn“ oder Tiefensensibilität bezeichnet.

Man unterscheidet 3 Hauptqualitäten:

·       Stellungssinn

·       Bewegungssinn

·       Kraftsinn.

Die dafür erforderlichen Reize werden von spezialisierten Sinnes-zellen in Muskel- und Sehnenspindeln, Gelenkkapseln und Bändern registriert. Dehnung, Druck und Spannung werden gemessen. Die Weiterleitung zum ZNS erfolgt über die Hinterstrangbahnen. Unbe-wusste Teile gehen übers Kleinhirn, das automatisch Gleichgewicht und Haltung steuert.

Interozeption („8. Sinn“)

Im Gegensatz zur Exterozeption, der Wahrnehmung der Außen-welt, bezeichnet man die innere Körperwahrnehmung als Intero-zeption.

Zur Interozeption zählen

Hunger und Sättigung (Magen-Darm-Traktsignale),
Durst und Temperaturregulation,
Herzschlag und Atemfrequenz,
Schmerzempfinden und Muskeltonus,
Viszerozeption: Wahrnehmung von Organtätigkeiten über das vegetative NS.

Bedeutung für Psyche und Gesundheit: Emotionen und Gefühle entstehen oft erst durch die körperliche Rückmeldung (z. B. Herz-klopfen bei Angst).

Selbstregulation: Eine gute Innenwahrnehmung unterstützt Stressbewältigung, Resilienz und Bedürfnissteuerung.

Mögliche Störungen: Fehlende oder übermäßige Signale können zu Essstörungen, Angststörungen, chronischen Schmerzen oder Entfrem-dung vom eigenen Körper führen.

Die Interozeption (Wahrnehmung des Körperinneren/ Viszero-zeption) dient der Wahrnehmung des inneren physiologischen Zustands des Körpers und der Organe. Die Signale kommen aus den inneren Organen (Herz, Lunge, Magen-Darm-Trakt, Blase) und dem vegetativen Nervensystem. Sie signalisiert Grundbedürfnisse und körperliche Zustände wie Hunger, Durst, Herzschlag, Atemnot, Temperatur oder Schmerz. Zudem bildet sie oft die Grundlage für emotionales Empfinden („Bauchgefühl“)