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7.1.6 Bestattungsriten

Bestattungsriten sagen viel über die Einstellung zur Frage nach dem Tod aus. Hindus werden eingeäschert. Juden, die meisten Christen und Mohamedaner bevorzugen die Erdbestattung. Den Katholiken erlaubte die Kirche erst 1962 die Kremation.

 

Religion

 

Erdbestattung

Kremation

Hindu

 

+

Judentum

+

 

Christentum

+

+(*)

Islam

+

 


*Die katholische Kirche erlaubt die Feuerbestattung (Kremation) erst seit 1963, hält jedoch weiterhin an der Erdbestattung als bevorzugter Form fest.

Die wichtigsten Regeln und Bedingungen:

·        Grundlegende Erlaubnis: Seit der Aufhebung des jahrhunderte-langen Verbots im Jahr 1963 ist die Einäscherung für Katholiken gestattet (verankert im kanonischen Recht, can. 1176, § 3 CIC).

·        Voraussetzung des Motivs: Die Kremation darf nicht aus Motiven gewählt werden, die der katholischen Glaubenslehre widersprechen – insbesondere nicht als bewusste Leugnung der Auferstehung der Toten (z. B. aus einer antikirchlichen oder nihilistischen Haltung heraus).

·        Priorität der Erdbestattung: Die Kirche empfiehlt die Erdbestattung nach wie vor ausdrücklich, da sie der Bestattung Jesu Christi und der traditionellen Symbolik des „Ruhens in der Erde“ entspricht.

·        Umgang mit der Asche (Vatikan-Instruktion Ad resurgendum cum Christo, 2016):

·        Kirchliches Begräbnis: Eine kirchliche Trauerfeier (Requiem/ Seelen-amt) ist auch bei einer Feuerbestattung möglich – entweder mit dem Sarg vor der Einäscherung oder mit der Urne. Ein kirchliches Begräbnis wird nur verweigert, wenn die Kremation aus-drücklich aus antichristlicher Absicht gewählt wurde.

Detaillierte Informationen und kirchliche Verlautbarungen dazu finden Sie auf der Informationsseite der Katholisch.de-Redaktion. [

Quellen:

https://www.katholisch.de/papst-und-vatikan/das-sind-die-regeln-zur-feuerbestattung

Vatikan veröffentlicht Instruktion "Zur Auferstehung mit Christus". Das sind die Regeln zur Feuerbestattung

 

 

 

 

 

 

Einfluss Luthers aufs Bestattungswesen

Durch die Reformation veränderte Martin Luther das Bestattungs-wesen und die Sterbekultur grundlegend. Seine Theologie schaffte den mittelalterlichen Fokus auf das Fegefeuer ab und verlagerte den Schwerpunkt der Bestattung ganz auf den Trost für die Leben-den und die Verkündigung der Auferstehung.

1. Radikale theologische Wende

Im Spätmittelalter stand die Angst vor dem Fegefeuer im Zentrum. Rituale dienten dazu, die Seele des Verstorbenen nachträglich zu retten (Seelenmessen, Fürbitten, Ablässe). Luther brach hiermit radikal:

2. Der neue lutherische Bestattungsritus

Obwohl Luther den Ritus entmystifizierte, lehnte er ihn nicht ab. Er wollte ein ehrbares, gottesdienstliches Begräbnis:

3. Die Erfindung des „Gottesackers“ (Räumliche Wende)

Bis zur Reformation wurden die Toten meist in und direkt um die Kirchen im Stadtzentrum begraben. Luther forderte – auch aus hygienischen Gründen – die Auslagerung der Friedhöfe vor die Stadtmauern.

 

Zusammenfassung im Vergleich

Merkmal

Vorreformatorisch

katholisch

Reformatorisch

Lutherisch

Hauptziel

Rettung der Seele aus dem Fegefeuer

Trost der Lebenden, Verkündigung der Auferstehung

Zentrales Element

Seelenmesse, Fürbitten, Weihwasser

Biblische Predigt auf Deutsch, Gemeinde-Choräle

Ort der Bestattung

Kirche / Kirchhof im Stadtzentrum

„Gottesacker“ außerhalb der Stadtmauern

 

Quellen:

https://www.kirche-oldenburg.de/aktuelles/detail/riten-und-braeuche-rund-um-sterben
Riten und Bräuche rund um Sterben.
Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/religion/luther-martin-reformation-kritik-100.html
Martin LutherLuthers Kritik am Ablasshandel

https://www.luther.de/jlt.html
Luthers Tod. Von Dr. Volkmar Joestel, Lutherhalle Wittenberg